Mittwoch, 30. November 2011

Das Leben ist nicht schwarz-weiß

Verfasst von Manuela Röthenbacher (Kontakt per E-Mail)
Manuela ist technische Unternehmensberaterin und Hundebesitzerin. 
Bei EasyDogs ist sie außerdem der Organisationscoach.

Das Leben ist nicht schwarz-weiß
Glauben Sie daran, dass Computer die wirkliche Welt abbilden können?
An die binäre Logik, dass etwas entweder an oder aus ist?
Dass es zwischen diesen beiden Extremen nichts gibt?


Ich bin mir sicher, dass die meisten jetzt sagen werden: Nein, es gibt so viel zwischen Himmel und Erde, das man so oder so sehen kann.

Und trotzdem gibt es zu allen möglichen Themen immer wieder absolute Aussagen, die dazu führen, dass Menschen sich über Dinge streiten, die mehr mit dem Glauben, als mit der Realität zu tun haben.

Von Menschen, die mit Tieren arbeiten, habe ich schon so einige Dinge gehört, bei denen ich mir überlege, ob sie der Sache dienlich sind.

‘Wenn Sie jetzt dem Hund nicht zeigen, dass Sie der Boss sind, dann wird er Sie nie wieder im Hause dulden’ oder auch ‘Wenn Sie nicht auf dieses oder jenes Futter wechseln, dann kann Ihr Hund nicht gesund werden’.


Wenn Tierhalter solche Aussagen untereinander austauschen, so kann ich das durchaus verstehen. Sie haben ihre Meinung und vielleicht ihre Erfahrungen mit ihrem eigenen Tier gemacht.


Bei Menschen, die mit Tieren arbeiten (z.B. Hundetrainer, Tierärzte, Tierpsychologen, Tierhomöopathen etc.), können solche Aussagen dazu führen, dass die Kunden einem nicht mehr glauben. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine absolute Aussage getroffen (Dieser Hund wird krank bleiben, wenn Sie ihm das billige Futter weiter füttern) und diese tritt nicht ein. Damit hätten Sie sich dann einen Bärendienst erwiesen, denn der Kunde oder ehemalige Kunde wird Ihnen nicht mehr trauen und im schlimmsten Falle wird er dies auch seinen Bekannten erzählen.

Sie hätten den Kunden verloren und können dem Hund nicht mehr helfen. Das war sicher nicht die Reaktion, die Sie mit Ihrer Aussage hervorrufen wollten.


Was können Sie machen, um nicht in diese Falle zu tappen?

Überprüfen Sie, ob Ihre Aussagen tatsächlich Allgemeingültigkeit haben. Gibt es nicht vielleicht doch Fälle, in denen es anders gelaufen ist? Ist das, was Sie sagen möchten, uneingeschränkt so anzutreffen? Oder gibt es Ausnahmen?


Falls dies der Fall ist, so formulieren Sie einfach anders. "Oft", "Meistens", "Meiner Erfahrung nach" sind gute Worte, die Ihnen dabei dienlich sind.


Spielen wir das doch einmal an einem Beispiel durch:

Sie sind der Meinung, dass der Einsatz von Strafe bei einer Ausbildung des Hundes nichts zu suchen hat.

Sie könnten nun dem Kunden sagen: "Strafe nützt nichts, da sich das Verhalten verschlechtern wird".
Nehmen wir an, der Kunde hat einen Nachbarn, dessen Hund sich mit Strafe wunderbar hemmen lässt. Dann wird er Ihnen widersprechen und Sie haben Ihre Glaubwürdigkeit herabgesetzt.

Besser wäre es, wenn Sie dem Kunden erklären würden, dass Strafe sehr wohl wirksam sein kann, dass sie dafür aber im für den Hund genau richtigem Maße einwirken müssten und dies sehr schwer ist, richtig zu machen.

Ferner verändert Strafe auch immer die Beziehung zu dem, den man straft. Sie könnten dann den Kunden fragen, in welche Richtung das die Beziehung ändern könnte.


Somit holen Sie den Kunden dort ab, wo er steht. Er hat schon gesehen, dass es funktioniert hat, er kennt aber nicht die Risiken.

Was er dann macht, das ist in seiner Hand.

Sie erklären ihm die Hintergründe und was man abwägen muss. Dafür sind Sie der Experte.


Sehen Sie sich als Wegbegleiter für Ihren Kunden und seine Tiere. Sie dürfen Ihr Wissen an Menschen weitergeben, die dieses Wissen noch nicht haben und helfen diesen so, schneller zu guten Ergebnissen zu kommen, als dies ohne Ihre Hilfe möglich wäre.

Nehmen Sie dieses gute Gefühl mit in Ihre Arbeitswoche.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.



Donnerstag, 24. November 2011

Was ist (mir) meine Leistung wert?

Tierberufler sind in der Regel Einzelunternehmen und verfügen selten über große finanzielle Rücklagen. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Leistung zeitnah bezahlt bekommen. 

Im Gespräch mit Tierberuflern stelle ich jedoch fest, dass bestimmte Fehler weit verbreitet sind.
1. Preise von vornherein viel zu niedrig zu kalkulieren.
2. Großzügige und zum Teil unnötige Preisnachlässe aus Angst, den Kunden zu verlieren
3. Rechnungen zu spät stellen. Beim Ausstellen der Rechnung kämpfen sie zudem mit einem "schlechten Gefühl"
4. Sie lassen sich vom Kunden bezüglich der Bezahlung vertrösten.

All diesen Verhaltensweisen kann man nicht einfach weg reden. Wer beim Schreiben einer Rechnung ein schlechtes Gefühl hat, dem fehlt unter Umständen ein Gefühl für seinen eigenen Wert. Hier heißt es dann, an diesem Punkt zu arbeiten, dann fällt auch das Rechnung schreiben leichter.

Viele Tierberufler rechnen ihre Leistung bar ab und fangen beim Nennen des Betrags fast an zu Nuscheln. Dabei haben sie als Unternehmer eine Leistung erbracht. Sie haben also ihren Teil der Vereinbarung erfüllt, nun ist der Kunde am Zug.
Einem Bäcker ist es auch nicht unangenehm, Ihnen den Preis für seine Backwaren zu nennen. Es scheint also um etwas anders zu gehen, nämlich das Anerkennen der eigenen Leistung und der investierten (Lebens-)Zeit. 

Drehen Sie das Ganze doch einfach mal um. Wie geht es Ihnen, wenn Sie von einem Unternehmen eine Rechnung erst sehr spät bekommen? Erzeugt das ein Gefühl von Seriosität oder eher Nachlässigkeit?
Wenn Ihnen jemand direkt mit hohen Rabatten entgegenkommt: Lässt Sie das nicht manchmal misstrauisch werden, ob die Qualität dann auch stimmt? 

Wenn ich einkaufe, bin ich mir bewusst, dass ich an der Kasse für die Produkte bezahlen muss. Wenn jemand Ihre Leistung in Anspruch nimmt, ist dies ebenfalls mit einem Preis verbunden.
Und wenn es Ihnen (finanziell) gut geht, können Sie umso entspannter anderen Gutes tun!
Also, trauen Sie sich, zeitnah einen Ausgleich für Ihre Arbeit einzufordern.